Einflugschneise Südumfahrung Pirna
Nach der Fertigstellung der Autobahn A17 werden nun immer mehr Zubringer und Zubringer-Zubringer ausgebaut (wie die Fast-Autobahn B172a von Pirna, die Brücke über das Bahretal bei Friedrichswalde-Ottendorf, der geplante Ausbau bei Börnersdorf, eine Umgehungsstraße bei Radeberg). Ein geplanter, neuer Zubringer wird jedoch gravierende Folgen für die Sächsische Schweiz haben, nämlich die so genannte Südumfahrung Pirna [1]. Sie stellt die direkte Verbindung her zwischen dem dort vierspurigen A17-Zubringer B172a und Pirna-Krietzschwitz, also der Höhe hinter dem Sonnenstein, unter Umgehung der Ortslage Pirna. Die Südumfahrung umfasst:
- eine autobahnartige Anschlussstelle an die B172 oben auf dem Sonnenstein,
- eine 927m lange und bis zu 65m hohe Brücke über das Gottleubatal (die Visualisierung auf www.gottleubatalbruecke.de/html/ergebnisse.html ist sehenswert)
- einen 315m langen Tunnel durch den Kohlberg,
- eine Brücke (nicht angegebener Länge) über das Seydewitztal,
- eine Anschlussstelle an die S173 (Pirna-Bahratal-Petrovice)
- und natürlich den Anschluss an die B172a.
Die Fertigstellung wird nicht vor 2014 erfolgen.
Damit gibt es dann einen ziemlich ungebremsten Weg von der Autobahn zumindest bis Königstein.
Aber die Besucher wollen natürlich nicht nur auf die Festung, sondern weiter hinein in die Sächsische Schweiz. Hier fallen einem auf Anhieb drei ungelöste, ja unlösbare Probleme ein: Die enge Durchfahrt durch Königstein, die extrem enge Durchfahrt am Markt in Bad Schandau und die fehlenden Parkplätze im Kirnitzschtal. Schön, dass der Stadtverkehr in Pirna an einigen (wie vielen?) Stellen nachlassen wird. Dafür werden Andere nun mehr Probleme haben.
Verkehrsberuhigung im Nationalpark wurde schon oft angemahnt, der lange Streit um den Ausbau der Kirnitzschtalstraße [2] war nur ein Beispiel. Realisiert wurde fast nichts, selbst der Vorschlag der Sperrung dieser Straße für nur einen Tag (beim Kirnitzschtalfest) stößt bei den Wirten der Gaststätten auf erbitterten Widerstand. Der Busverkehr hat sich dort zwar verbessert, doch alle Projekte von Shuttlebussen sind bisher Papier geblieben.
Die Belastung durch den Verkehr ist jedoch mittlerweile so groß geworden, dass eine Initiative “Sanfte Mobilität” zu Beginn dieses Jahres unter Leitung einer Arbeitsgruppe der TU Dresden ins Leben gerufen wurde. Sie begann mit einer Befragung und sollte sich Gedanken um Entwicklungen und Lösungsansätze machen. Doch die geplante Südumfahrung stellt alle bisherigen Überlegungen auf den Kopf und wird ein wesentlich stärkeres Verkehrsaufkommen als erwartet erzeugen: Dann können selbst Gäste aus Prag und Berlin bei klarem Wetter spontan die Schrammsteinaussicht besuchen – sofern sie einen Parkplatz finden.
Während die bisherigen A17-Zubringer eher wirtschaftlichen Charakter haben dürften, also Regionen oder Zentren mit Ballungszentren verbinden, wird die Pirnaer Südumfahrung den Zustrom motorisierter Touristen in die Nationalparkregion deutlich verstärken. Die Trasse ist längst beschlossen, die Planungen sind weit gediehen – uns bleibt die kritische Begleitung der Entwicklung nach 2014 …
Reinhard Wobst, SSI
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