2. Halbjahr 2010

1. September 2010 – Ökolöwe fordert weiterhin den Erhalt des Sächsischen Baumschutzes

Landtag soll über verfassungswidrigen Gesetzesentwurf entscheiden

Beim ersten Plenum nach der Sommerpause entscheiden heute, am 1. September,  die Abgeordneten des Sächsischen Landtages über das “Gesetz zur Vereinfachung des Landesumweltrechts”. Der Inhalt der Drucksache 5/1356 ist seit Jahresbeginn Streitpunkt zwischen Verbänden, Kommunen und Politikern: die Baumschutzsatzung. Von Anfang an hat sich der Leipziger Umweltbund Ökolöwe für die Beibehaltung der Baumschutzsatzungen in ganz Sachsen ausgesprochen und die besondere Bedeutung von Bäumen im städtischen Bereich betont.

Gegen den ersten Entwurf von CDU/FDP sprach man sich aus, weil die Grundstücke und Flächen, die von der Baumschutzsatzung ausgenommen werden sollten sogar Naturschutzgebiete betraf. Der zweite Entwurf zur Abschaffung der Baumschutzsatzung fiel aus Sicht des Ökolöwen noch krasser aus. CDU und FDP schlugen vor, bestimmten Baumarten grundsätzlich den Schutzstatus abzusprechen. Der Vorschlag, Pappeln, Nadelgehölze, Birken, Baumweiden und Obstbäume ohne jegliche Genehmigung fällen zu dürfen, rief zahlreiche Umweltschutzverbände und Naturschutzexperten auf den Plan. Tobias Rieprecht, Natur- und Artenschützer des Ökolöwen, meint dazu: „Die flächendeckende Negierung von Baumarten wird bei den BürgerInnen in ganz Sachsen den Wert von Bäumen und Stadtgrün und damit den Wert von Natur selbst herabsetzen.

Die Generalisierung der Landesregierung, die klar im Widerspruch zum Bundesnaturschutzgesetz steht und geschützte Arten wie die Schwarzpappel, Eibe und Weißtanne, ohne Grund dem Gutdünken Einzelner preisgibt, lässt einen, nicht nur als vom Land Sachsen bezahlten Naturschützer, sondern auch als sächsischen Bürger an der Gewissenhaftigkeit und dem Pflichtbewusstsein unserer Politiker zweifeln.“ Die Baumschutzsatzung gibt jedem Bürger Rechtssicherheit. „Die BürgerInnen werden im Regen stehen gelassen mit Gesetzen, die sie nicht mehr überschauen können.”, sagt Tobias Rieprecht. „Letztlich tragen aber sie das Risiko Ordnungswidrigkeiten zu begehen und Bußgelder von 50.000 bis 500.000 Euro zu zahlen. Mit Bürokratieabbau hat das rein gar nichts zu tun.“, so Rieprecht weiter.

Weil der Entwurf außerdem die kostenfreie Antragstellung beinhaltete, wurde er zurück in den Umweltausschuss verwiesen. Denn dieser Passus verstößt gegen die Sächsische Verfassung. Trotz des Verweises des Juristischen Dienstes auf die Verfassungswidrigkeit und trotz der fachlichen Einwände von Naturschutzexperten, wird der zweite Entwurf unverändert im heutigen Plenum zur Abstimmung gestellt.

Der Ökolöwe protestiert entschieden gegen diesen Gesetzentwurf und fordert die Beibehaltung der Baumschutzsatzungen für ganz Sachsen. „Als Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e.V. fordern wir die Abgeordneten  dazu auf, sich den fachlichen Argumenten und einer offenen Diskussion zu stellen und Entscheidungen nicht mit den Mehrheitsverhältnissen im Landtag zu begründen.“ so Tobias Rieprecht. Die Abgeordneten sollen sich für ihre grünen Städte, mehr Lebensqualität sowie für die Sicherung der Biodiversität entscheiden!

Weitere Informationen zum Thema Baumschutz: oekoloewe.de/Baumschutz
Ansprechpartner:
Tobias Rieprecht
Tel.: 0341-3065-171
E-Mail: ed.eweolokeonull@ztuhcsrutan


Öffentlichkeitsarbeit

Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e.V.
im Haus der Demokratie Leipzig
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04277 Leipzig

Tel. 0341-3065-185
Fax 0341-3065-179
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5. August 2010 – Waldpflege macht Mühe und lohnt sich

Über die Kronenschau der Forstleute

Gut hat es die Forstpartie, der Wald, der wächst auch ohne sie.“ Zugegeben, dieser neidgetränkte Spruch ist einige Jahrzehnte alt. Was allerdings nichts daran ändert, dass er heutzutage immer noch nicht stimmt.

Aber Wald und Mensch sind heute mehr als je zuvor aufeinander angewiesen. Die wirtschaftliche Tätigkeit des Menschen macht den Bäumen ebenso zu schaffen wie seine immer größere Mobilität. Zwar sind durch Umweltmaßnahmen die Schwefelbelastungen gesunken. Kalkungen des Waldbodens sind zudem ein wirksames Mittel als Ausgleich für jahrzehntelange Säureeinträge. Sachsen gibt dafür auch weiterhin viel Geld aus. Der Klimawandel mit seinen längeren Trockenperioden und daraus resultierender höherer Insektenbelastung stellt die Forstleute vor neue Probleme.

Der jährliche Waldzustandsbericht enthält zahlreiche Indizien dafür, warum Bäume krank werden, warum wiederum andere sich erholen. Und wie reagiert werden muss. Deshalb machen die Forstleute derzeit Inventur in Sachsens Wäldern. Von ihrem Einsatz profitieren wir alle. Denn wir können ohne die grüne Lunge Wald nicht existieren.

Von Wolf Dieter Liebschner (Sächsische Zeitung, 05. August 2010)


28. Juli 2010 – Neues Waldgesetz verschenkt Chancen für Natur- und Artenschutz

Berlin (agrar-PR) – Berlin: Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist das vom Bundestag beschlossene Bundeswaldgesetz eine verschenkte Chance für mehr Natur- und Artenschutz im deutschen Wald. Der Gesetzgeber habe es versäumt, verbindliche und bundesweit gültige Standards der guten fachlichen Praxis festzuschreiben, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. “Das neue Waldgesetz ist nicht geeignet, dem Gemeinwohl Vorrang vor Privatinteressen zu verschaffen”, sagte Weiger. Wichtige Aspekte des Waldschutzes wie das Kahlschlagsverbot, der Bodenschutz, die Bestandsverjüngung und der Biotopbaumschutz seien im Gesetz nicht geregelt worden. Damit drohe zwischen den Ländern ein Wettlauf hin zu möglichst niedrigen Waldschutzstandards.

“Der Wald ist Lebensraum für hunderttausende Pflanzen- und Tierarten und spielt für den Klimaschutz eine entscheidende Rolle. Bäume und Waldböden sind wichtige CO2-Senken, die bei Kahlschlägen oder boden- und waldschädlichen Holzernten große Mengen Kohlenstoff freisetzen. Der Wald kann seinen unverzichtbaren Beitrag zum Klimaschutz nur leisten, wenn seine ökologisch verträgliche Bewirtschaftung gesetzlich gesichert ist. Diese Chance wurde leider vertan”, sagte Weiger.

Der BUND rief die Bundesregierung und die Länder auf, endlich das Ziel der Nationalen Biodiversitätsstrategie umzusetzen, großräumige und unzerschnittene Waldgebiete zu erhalten und mindestens fünf Prozent der deutschen Waldfläche dauerhaft der natürlichen Entwicklung zu überlassen. Im öffentlichen Wald sollten mindestens 10 Prozent der Fläche nicht mehr bewirtschaftet werden. Nur dann könne Deutschland glaubwürdig auch auf internationaler Ebene von Entwicklungs- und Schwellenländern mehr Waldschutz fordern.  Daher müsse verhindert werden,  dass der öffentliche Wald durch den Verkauf an Privatpersonen und Unternehmen zum Spielball privater Investoren werde.

(agrar-presseportal, 18. Juni 2010)


26. Juli 2010 – Forstexperten suchen nach kranken Bäumen

Pirna. Der Staatsbetrieb Sachsenforst begutachtet wieder den Zustand der Wälder. Mit Ferngläsern untersuchen Forstexperten ab heute die Kronendichte sowie den Anteil vergilbter Nadeln und Blätter in den sächsischen Wäldern, sagte ein Sprecher der Behörde. An 262 Stichprobenpunkten werden in den nächsten beiden Wochen die Reaktion der Bäume auf die Witterung, das Auftreten von Schadorganismen und die Belastungen durch Umwelteinflüsse festgestellt. „Damit erstellen wir ein Röntgenbild des Waldes.“ Die Daten tragen zur Planung des Waldbaus für die nächsten 50 bis 100 Jahren bei. Dieser solle dem Klimawandel angepasst werden. (dpa)

(Sächsische Zeitung, 26. Juli 2010)


26. Juli 2010 – Natürliche Klimaanlagen – Grüne fordern mehr Altbäume für Dresden

Die Grünen im Stadtrat fordern für Dresden einen strukturreichen Altbaumbestand, der in den kommenden Jahren kontinuierlich entwickelt werden soll. Ein entsprechender Antrag, über den die Kommunalpolitiker nach der Sommerpause zu befinden haben, ist jetzt veröffentlicht worden. “Wie unverzichtbar Bäume für uns sind, merken wir in der derzeitigen Hitze- periode wieder besonders schmerzlich”, erklärt die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Elke Zimmermann. “Ihre luftreinigende Wirkung und ihre Ausgleichsfunktion für das Stadtklima sind durch nichts zu ersetzen.” Bäume, so Zimmermann, seien natürliche Klimaanlagen. “An heißen Tagen spenden sie Schatten, kühlen und befeuchten durch ihre Verdunstung die Luft.”

Die Altbäume sollen nach Meinung der Grünen vor allem an Straßen und Wegen sowie innerhalb von bebauten Gebieten wachsen können. In Einzelfällen sei über Zuschüsse für Baumeigentümer nachzudenken. Dafür müssten jährlich 5000 Euro be- reitgestellt werden, rechnet Zimmermann vor.

“Zudem ist das von der Stadt ge- führte Baumkataster, das sowohl Aussagen über die Vitalität der Bäume enthält als auch über frühere Fällungen, öffentlich zugänglich zu machen”, sagt sie. Das bereits vorhandene Straßenbaumkonzept in Dresden geht aus Sicht der Grünen-Fraktion nicht weit genug. Es habe lediglich einen möglichst durchgängig gesunden Bestand an Bäumen und teilweise die Einheitlichkeit von Baumreihen zum Ziel. Naturschutzaspekte würden fast vollkommen außer Acht gelassen.

“Unser Antrag versucht den Hauptproblemen zu begegnen, also den fehlenden finanziellen Mitteln für Neupflanzungen und der fehlenden Beachtung des Natur- und Artenschutzes”, so Zimmermann. Mehr Altbäume in der Stadt würden auch die Tierwelt in Dresden beleben. So sei allein die heimische Stieleiche Lebensraum für mehr als 200 Insekten- und mehr als 20 Vogelarten.

Nach dem Willen der Grünen sind auch der Dresdner Landschaftsplan und die Listen der Naturdenkmäler schnellstmöglich um prägnante und besonders wertvolle Bäume zu ergänzen. Um das zu erreichen, sollen die Gehölzschutzkommission der Stadt, der Kreisnaturschutzbeauftragte, Naturschutzinitiativen und lokale Experten wie Mitarbeiter des Botanischen Gartens und der Fachschule in Pillnitz mit einbezogen werden. Eine Aktualisierung dieser Übersicht müsste laut Elke Zimmermann aller drei Jahre erfolgen. Christoph Stephan

(Dresdner Neueste Nachrichten, 22. Juli 2010)


21. Juli 2010 – Grüne wollen alten Baumbestand in Dresden retten

Bäume seien natürliche Klimaanlagen, die wir in Dresden dringend brauchen, sagt Grünen-Stadträtin Elke Zimmermann. „Wie unverzichtbar Bäume für uns sind, merken wir in der derzeitigen Hitzeperiode wieder besonders schmerzlich. Ihre luftreinigende Wirkung und ihre Ausgleichsfunktion für das Stadtklima sind durch nichts zu ersetzen.“ An heißen Tagen spenden die Bäume Schatten, kühlen und befeuchten durch ihre Verdunstung die Luft. Zudem binden sie Kohlendioxid.

Die Grünen wollen nun alte Bäume in ihrer Artenvielfalt in Dresden stärker sichern als bisher. Dazu haben sie jetzt einen umfangreichen Katalog mit Maßnahmen eingereicht. So sollen beispielsweise alte gesunde Bäume bei der Sanierung von Straßen erhalten bleiben und nur kranke ersetzt werden. Die Grünen hoffen, dass der Stadtrat darüber unmittelbar nach der Sommerpause berät.

(Sächsische Zeitung, 21. Juli 2010)


21. Juli 2010 – Schädling lässt Schlossallee-Linden welken

Auf Moritzburgs Prachtstraße, der Schlossallee, scheint der Herbst vorfristig Einzug gehalten zu haben. Kaum eine der fast 300 Linden hat noch eine vollständig grüne Krone. Einige der Bäume sind sogar schon komplett gelb. Der Radebeuler SZ-Leser Manfred Meyer, der am Wochenende zu einer Hochzeit im Ort war, ist erschüttert: „Die Blätter sehen ja total vertrocknet aus.“ Seine Vermutung: „Die Bäume haben bei der Hitze bestimmt zu wenig Wasser bekommen.“

In der Moritzburger Gemeindeverwaltung ist das Problem nicht erst seit dem Wochenende bekannt. „Am fehlenden Wasser liegt es aber nicht“, sagt Bürgermeister Georg Reitz (CDU). Die mit der Pflege der Schlossallee beauftragte Firma habe die Bäume und Staudenpflanzungen in diesem Jahr schon zwei Mal gewässert. Vereinbart sind insgesamt fünf solche Wassergaben. Pro Wässerung werden dabei rund 270000 Liter Wasser verteilt.

Gutachten von Experten

Als Ursache für die gelben Blätter der Linden hat ein von der Gemeinde in Auftrag gegebenes Gutachten etwas anderes ausgemacht: Eine nur fünf bis acht Millimeter kleine Wespe mit einer unauffälligen schwarzen Färbung. Diese Kleine Lindenblattwespe legt ihre Eier im Frühjahr auf die jungen Blätter der Bäume. „Die aus den Eiern schlüpfenden durchsichtigen bis grünen Larven sind schleimig und ähneln Nacktschnecken“, sagt Veronika Pohris von der Professur für Forstschutz der Forstuniversität in Tharandt. Die Raupen fressen das Blattgrün. Zurück bleibt der durchsichtige Blattkörper, der, wenn es warm wird, Pergamentpapier ähnelt.

„Seit etwa zehn Jahren tritt die Wespe, die im gemäßigten Klima der gesamten Nordhalbkugel zu finden ist, in unserer Region verstärkt auf“, sagt Veronika Pohris. Auch die Landeshauptstadt habe damit schon Probleme gehabt. Ähnlich wie bei der Kastanienminiermotte sei eine Bekämpfung schwierig.

„Derzeit lässt sich nichts mehr machen“, sagt Freiraumplaner Michael Simonsen, der seinerzeit die Neugestaltung der Schlossallee konzipiert und auch begleitet hatte. „Es gab auch in den vergangenen beiden Jahren schon einen leichten Befall, aber nicht in diesem Umfang.“ Die derzeitige Situation sei für die Bäume nicht schädlich, so Simonsen. Sollte sich der Befall aber mehrere Jahre wiederholen, könnte es problematisch werden.

Biologische Mittel einsetzen

Die Gemeinde möchte daher gern gegensteuern. Immerhin hat die komplette Neugestaltung der Allee rund fünf Millionen Euro gekostet. Die Pflege der Bäume und Beete lässt sich die Gemeinde von 2008 bis jetzt weitere fast 109000 Euro kosten. Moritzburg prüft darum gerade, ob im nächsten Frühjahr einem erneuten Befall mit biologischen Mitteln vorgebeugt werden kann. Auch die Kosten dafür werden ermittelt. Simonsen: „Für solch einen Einsatz muss aber genau die Flugperiode der Wespen abgepasst werden.“

Unabhängig vom Wespenbefall hat SZ-Leser Manfred Mayer dennoch einen Vorschlag: „Es wäre doch gut, wenn sich die Anwohner bei solch einer Hitze der Bäume annehmen und ihnen jeden Tag einen Eimer Wasser spendieren würden.“

Von Sven Görner (Sächsische Zeitung, 21. Juli 2010)


Auch Bäume freuen sich über Wasser – über die Alleebäume in Moritzburg

Na sicher liegt es an der gefräßigen Wespe, die die Kronen der Moritzburger Schlossallee vergilben lässt. Aber mit den Bäumen ist es wie mit dem Menschen. Wenn der sich gesund ernährt, hat er auch ein stärkeres Immunsystem.

Bekommen die Bäume ausreichend Wasser, haben sie mehr Stärke, die Wespe zu überleben und wieder Blätter wachsen zu lassen. Sich da allein auf einen Vertrag zu verlassen, der besagt, wie oft gewässert wird, reicht offenbar nicht, wenn wie jetzt extreme Trockenheit herrscht.

Übrigens: SZ-Leser Manfred Meyer hat auch ein wenig Recht. Wenn die Moritzburger die Alleebäume vor ihrer Haustür ab und zu mit einem Eimer Wasser gießen, dann wird weder die Gemeinde arm noch der Bürger.

Peter Redlich (Sächsische Zeitung, 21. Juli 2010)


16. Juli 2010 – Wo es in Dresden am heißesten ist

Es gibt in Dresden immer häufiger hitzige Sommer. Besonders schwitzt die Innenstadt, weil die Wärme nicht mehr abziehen kann.

Am Pirnaischen und am Postplatz ist es am heißesten. Gestern Nachmittag wurden dort 26,5 Grad gemessen. In Klotzsche waren es zur gleichen Zeit drei Grad weniger. Die Temperaturunterschiede zwischen dem Pirnaischen Platz und dem Großen Garten oder Stadtrand betragen oft sogar sieben Grad.

Angenehmer als in der Innenstadt ist es bei Matthias Meinck in Dresden Loschwitz. Er führt die private Wetterstation Dresden im Garten an seinem Haus und stellt täglich die Daten ins Internet. „Seit meiner Kindheit interessiere ich mich fürs Wetter“, sagt der 37-Jährige. Während und nach seinem Studium hat er an Messkampagnen an Schweizer Gletschern teilgenommen. Das begeisterte ihn so, dass er fortan seine persönlichen Wetter- und Klimabeobachtungen notierte. Seit sieben Jahren sind die Daten auch auf seiner Internetseite www.dresden-wetter.de zu finden. „Der Zeitraum reicht nicht aus, um eine seriöse Tendenz zu sehen, aber nach den Sommern 2003, 2006 und den jetzigen Werten, lässt sich einschätzen, die Extreme nehmen zu“, sagt er.

Auch heute werden wieder Werte über 30 Grad erwartet. Dresden stöhnt unter der Hitze und die Meteorologen kündigen noch kein Ende dieser Wetterperiode an.

Die Lage: Einige Stadtteile sind stark überhitzt

„Daher kommt es zu starken Überwärmungen besonders in der Altstadt, Neustadt und Pieschen“, sagt Franziska Reinfried, Meteorologin im städtischen Umweltamt. Sehr heiß sei es auch in dicht bebauten Teilen von Johannstadt und Striesen sowie entlang der Bahntrasse Reick-Niedersedlitz.

Die Ursachen: Es wurden Kaltluftschneisen verbaut

In den besonders betroffenen Gebieten fehlen klimatische Ausgleichsräume, erläutert Meteorologin Reinfried. Grünflächen und Parks würden beispielsweise die Überhitzung am Tage abmildern. Denn tagsüber heizt die Sonne alles auf. Nachts steigt die heiße und damit leichtere Luft auf. Dadurch entsteht ein Sog, der die etwas kühlere Luft beispielsweise aus der Dresdner Heide oder dem Großen Garten in die Innenstadt zieht. Auch breite, begrünte Straßen, wie die St.Petersburger, sorgen für Abkühlung.

In den dicht bebauten Gebieten kann auch der Wind nicht durchrauschen und so für Abkühlung sorgen. Wie wichtig Kaltlufteinzugsgebiete sind, zeigt das Beispiel Gorbitz. Obwohl das Wohngebiet es relativ dicht bebaut ist, staut sich hier die Hitze nicht so sehr. Allerdings wurde diese Kaltluftschneise in den 1980er-Jahren durch den Bau des Plattenbaugebietes teilweise abgeschnitten. Auch beim Bau des Einkaufszentrums Nickern wurde die Luftzufuhr nur ungenügend beachtet.

Die Lösung: Dresden braucht mehr Frei- und Grünflächen

Im Umweltamt wurden die Luftleitbahnen und Frischluftschneisen genau untersucht. Sie befinden sich vor allen an fast allen Taleinschnitten des Nord- und Südhangs. Hier fließt die auf den Hochflächen gebildete Kaltluft zum Stadtgebiet ab.

Für das Stadtklima ist auch die Elbe mit ihren Elbauen besonders wichtig. Auf den großen Elbwiesen kann sich nachts Kaltluft bilden. Sie müssen dringend erhalten bleiben.

Solche heißen Sommer wie derzeit offenbaren es, Dresden braucht mehr Grünanlagen mit möglichst großen Bäumen. Sie sind nicht nur Schattenspender, sondern sorgen auch durch die Verdunstung für Abkühlung. Zudem schlucken sie noch Schadstoffe. Damit sich die Menschen wohlfühlen können, sollte es in der Innenstadt alle 150 Meter Bäume mit tiefen Wurzeln geben, fordert Umweltamtsleiter Christian Korndörfer.

In ihrem neuen Flächennutzungsplan geht die Stadt vom Aufbau eines grünen Netzes aus. Parkanlagen, verbunden mit Baumreihen sollen der allgemeinen Klimaerwärmung entgegenwirken. Freiluftschneisen müssen freigehalten werden. Für das Stadtklima erweist sich auch die lockere Bebauung in der Innenstadt als vorteilhaft. Deshalb sollten weitere Verdichtungen mit Augenmaß erfolgen, heißt es im Klimabericht.

Von Bettina Klemm (Sächsische Zeitung, 16. Juli 2010)

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