GRÜNE LIGA lehnt kleine Wasserkraft ab

Die GRÜNE LIGA lehnt die so genannte „Kleine Wasserkraft“, in der Form von Staubauwerken mit Turbine, als unökologische Form der Energieerzeugung ab.

Die so genannte Kleine Wasserkraft wird in verschiedenen Staaten verschieden definiert. In Deutschland sind damit üblicherweise Wasserkraftanlagen (WKA) mit einer installierten Leistung bis ein Megawatt gemeint.

Zum Beitrag der Kleinen Wasserkraft zur Energieversorgung und zum Klimaschutz gibt es offizielle Erhebungen, die eine deutliche Sprache sprechen: Einer Publikation des Bundesumweltministeriums ist zum Beispiel für das Jahr 2008 zu entnehmen, dass zirka 7.300 Anlagen der Kleinen Wasserkraft ganze 0,07 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs Deutschlands gedeckt haben.

Die Bedeutung der Kleinen Wasserkraft für den Klimaschutz ist ebenfalls geringfügig. In einer Studie des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung im Auftrag des Umweltbundesamtes wurde ermittelt, in welchem Umfang durch erneuerbare Energien CO2-Emissionen vermieden werden. Danach bewirkten 4.633 Anlagen der Kleinen Wasserkraft in ganz Deutschland eine CO2-Einsparung von 0,09 Prozent.

Die Schäden durch die Anlagen der Kleinen Wasserkraft sind dagegen enorm. Durch die Anstauung der Flüsse mittels Querverbauung (Wehre) wird die Durchgängigkeit der Fließgewässer unterbunden. Bereits eine einzelne Wehranlage leitet 90 Prozent des Flusses durch die Turbine und macht den Fluss damit für die meisten Flusslebewesen unpassierbar. Die biologische Vernetzungsfunktion des Flusses wird zerstört. In der Regel sind die kleinen Flüsse mit mehreren Wehren und WKA verbaut (32 WKA z. B. im Erzgebirgsfluss Flöha). Durch das Anstauen der Flüsse oberhalb der Querverbauungen ändert sich das Regime der Fließgewässer. Aufgrund der geringen Wasserbewegung verringert sich der Sauerstoffeintrag in den Fluss, leichte Sedimente bilden Faulbänke und produzieren klimaschädliches Methan. Das Flussgeschiebe (Sand und Kies) wird unterbrochen, es bilden sich Geschiebeansammlungen oberhalb der Querverbauung und steinige Abschnitte ohne Sand und Kies unterhalb. Beide Faktoren zerstören das bestehende zusammenhängende Ökosystem. Nur die anpassungsfähigsten und hochbeweglichen Arten (Fische) überstehen diese Veränderungen.

Die Anforderungen der Umweltgesetzgebung an WKA sind minimal. Nach der Wasserentnahme muss der Fluss unterhalb der Querverbauung noch die Wassermenge eines mittleren Niedrigwassers (MNQ) haben. Ein solches Niedrigwasser tritt an freien Flüssen höchsten an 20 Tagen im Jahr auf, es bedeutet extremen Stress und Tod für eine Vielzahl der Flussbewohner. Dieser Extremzustand wird bei Wasserkraftanlagen per Gesetz zum Normalzustand für das ganze Jahr erklärt. Hinzu kommt, wie auch bei anderen Bereichen der Umweltgesetzgebung, ein chronisches Vollzugsdefizit: Kontrollen der WKA durch die Behörden werden aufgrund von Personalmangel zumeist nicht durchgeführt, viele WKA-Betreiber nutzen das, um noch mehr Wasser über die Turbinen abzuleiten, Flüsse fallen abschnittsweise ganz trocken. Ein Klagerecht auf die Einhaltung der Mindestwasserabflüsse haben Bürger oder Verbände in der Regel nicht.

Der geringen energiewirtschaftlichen und klimapolitischen Bedeutung der Kleinen Wasserkraft stehen eine erhebliche Zerstörung vieler Flussökosysteme und der Verlust an Biodiversität gegenüber.

Die GRÜNE LIGA fordert und unterstützt ein stärkeres Engagement im Bereich der Energieeinsparung und Energieeffizienzsteigerung sowie den Ausbau der energetischen Nutzung von Sonne, Wind, Biomasse und Erdwärme. Auch hier muss allerdings die Nutzung in jedem Fall naturverträglich realisiert werden.

Quellen:

^