Nicht immer ist grün grün

3. Dezember 2009

Im Auftrag der Bündnisgrünen Sachsen wurde eine Grüne Ausbaustudie 2020 – Perspektiven für Erneuerbare Energien in Sachsen herausgegeben, erarbeitet durch die »Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien / VEE SACHSEN e.V.«.

Wir müssen davon ausgehen, dass die Auftraggeber dieser Studie auch als verantwortlich für deren Inhalt zu betrachten sind. Und natürlich nimmt ein Auftraggeber auch Einfluss auf den Inhalt. Unter diesem Aspekt kommen uns große Zweifel, ob die Aussagen zur Wasserkraft, insbesondere zur Kleinen Wasserkraft, wirklich den Intentionen einer nachhaltig-ökologisch ausgerichteten Partei entsprechen.

Auszüge aus der »Grünen Ausbaustudie 2020«:

»Unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Wasserkraftnutzung kann für den Fluss Elbe ein Wasserkraftpotenzial berechnet werden. Dieses wäre mit etwa 800 GWh/a doppelt so groß, wie das aller anderen Flussgebiete zusammen. Eine Nutzung würde bedeuten, dass die Elbe auf dem Gebiet von Sachsen durchgängig mit Staustufen und Wasserkraftanlagen bestückt werden müsste. Dieses Szenario wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt als nicht realistisch eingeschätzt und hier nicht weiter betrachtet.«

Wenn es bei dem Auftragswerk um eine Darstellung der Energiepotentiale gegangen wäre, dann hätte die Elbe Bestandteil der Studie sein müssen. Da es aber („..zum gegenwärtigen Zeitpunkt ..“) richtigerweise keine politische Mehrheit für eine Wasserkraftnutzung der Elbe gibt (und dies auch nicht von Bündnis 90/Die Grünen nach Außen vertreten werden möchte), wurde diese vom Verfasser des Kapitels 3.4 außen vor gelassen. Was soll aber dann die Betrachtung der um ein Vielfaches kleineren Mittelgebirgsflüsse?

»An zusätzlich 288 Wehren in Sachsen (vorhandene Wehrstandorte mit einem als wirtschaftlich anzusehenden Potenzial) können kleine WKA mit durchschnittlicher Nennleistung von P = 70 kW installiert werden. Daraus ergibt sich eine installierte Gesamtleistung von etwa 20 MW.

Beim derzeitigen sächsischen Stromverbrauch eines Haushaltes von 2.460 kWh/a könnten so etwa zusätzlich 28.450 Haushalte mit Elektroenergie versorgt werden. Trifft die Unterstellung zu, dass sich Investoren nur für 200 der ausgewiesenen WKAStandorte interessieren, würden mit einer installierten Leistung von 14 MW etwa 50 GWh/a erzeugt und damit die Äquivalentversorgung von etwa 20.300 Haushalten sichern. Das entspricht in etwa einer Stadt mit rund 39.000 Einwohnern!«

Insgesamt produzierten 2005 die Wasserkraftanlagen in allen 5 neuen Bundesländern 126 MW! Schon dafür werden unsere Flüsse zerstückelt und zerstört – von ökologisch nachhaltigem Handeln kann keine Rede sein! Was bringen dann noch 20 MW an Zugewinn?

»Auch sorgen ständige Angriffe von Naturschutz- und Fischereiverbänden einschließlich überzogener Forderungen der Genehmigungsbehörden nicht für ein freundliches Klima für Investoren.«

»Wasserkraftgegner sind heute gegen die Windenenergie, morgen gegen Biogasanlagen und übermorgen gegen PV-Kraftwerke. Diese Gruppe vertritt ausschließlich »Partikularinteressen« und kann offensichtlich nach wie vor nicht begreifen, dass ein aktiver »Klimaschutz« heute der beste Naturschutz ist.«

In diesem Sinne dürfen wir es durchaus als Schlag ins Gesicht betrachten, wenn Naturschutzengagement für eine naturnahe Flusslandschaft in Sachsen als Partikular-Interessenlage in der Grünen Ausbaustudie 2020 verunglimpft wird.

So sich die Grünen in Sachsen aktiv für den Schutz der sächsischen Fließgewässer einbringen wollen, dann sollten sie sich bitte gegen die ökonomisch unsinnige und ökologisch verheerende Wasserkraftnutzung an den sächsischen Mittelgebirgsflüssen engagieren!