20 Jahre GRÜNE LIGA: Umweltverband will mit der Kraft des Netzwerks die aktuellen Natur- und Umweltgefahren bekämpfen

3. Februar 2010

Artensterben, Flächenfraß, Wildwest in der Abfallpolitik und Klimakiller Braunkohle

Natur- und Umweltschäden bedrohen unsere Gesellschaft

Berlin, den 02.02.2010: Wir »fressen« unsere Natur auf – täglich werden mehr als 100 Hektar Fläche in Deutschland neu in Anspruch genommen. Besonders gravierend in den neuen Bundesländern angesichts einer rückläufigen Bevölkerungsentwicklung. Völlig überholte Straßenbauvorhaben wie die Staatsstraße 46, die B 87 oder die A14 bedrohen unwiederbringliche Landschaften. Wir zerstören die Lebensräume der Tiere und Pflanzen. Beispiel Agrarlandschaft: Über zwei Drittel der Tier- und Pflanzenarten dieses Lebensraumes stehen auf der Roten Liste. Tendenz steigend! »Die Liste der akuten Natur- und Umweltgefahren ist lang und wird immer länger«, resümiert Klaus Schlüter, Vorstandsvorsitzender der GRÜNEN LIGA e.V. – seit ihrer Gründung. »Die GRÜNE LIGA wird weiterhin gebraucht. Wir werden uns mit der Kraft unseres Netzwerks gegen die existenzbedrohenden Natur- und Umweltgefahren stemmen.«

Seit ihrer Gründung 1990 steht die GRÜNE LIGA für mehr als Natur- und Umweltschutz: Die Mitglieder des Netzwerkes engagieren sich für eine umfassende Ökologisierung der Gesellschaft, für eine gewaltfreies, ökologischnachhaltiges Zusammenleben. Ganzheitliches Denken und basisdemokratisches Handeln bestimmen die Arbeit des Verbandes. Das Arbeitsmotto der GRÜNEN LIGA: Visionen haben – Netzwerk gründen – Handeln anregen. »Unsere Stärke ist die Arbeit vor Ort. Wir packen selbst an, leben Ökologie«, so Klaus Schlüter.

»Global denken, lokal handeln, ist für uns keine Floskel«, führt Schlüter weiter aus. »Die Wende-Erfahrung, daß Mut und eigenes Handeln weit tragen können, bestimmt den Arbeitsstil der GRÜNEN LIGA«, ergänzt Katrin Kusche, Bundesgeschäftsführerin der GRÜNEN LIGA. Darüber hinaus stellt der Verband klare Forderungen an Politik und Wirtschaft – und dies auf allen Ebenen, lokal, regional, bundesweit und international.

Vieles wurde im Umweltschutz in den neuen Bundesländern seit der Wende erreicht: Wasseruhren und Heizkostenzähler machen Umweltverbrauch faßbar, Umweltthemen haben Einzug in Schulbücher gehalten, die ostdeutschen Kernreaktoren wurden abgeschaltet, Schaumkronen verschwanden von den Flüssen … Die Natur- und Umweltprobleme jedoch sind nicht verschwunden. Der geweitete Blick läßt die Mitglieder der GRÜNEN LIGA noch schärfer die Dimension der Themen und Fragestellungen erkennen. Und: »Ökologische Probleme haben neue Vorzeichen: Sie entspringen nicht mehr den Facetten der Mangelwirtschaft im abgehalfterten Sozialismus, sondern habe ihre Basis im Wachstumsdenken der Marktwirtschaft«, so Katrin Kusche. Angesichts von Konsumterror, Gewinnmaximierung auf Kosten begrenzter Ressourcen, hemmungslosem Zinsstreben hat es eine tiefgreifende ökologische Wende schwer. Doch wer den Klimawandel und den Artenschwund ernsthaft begrenzen will, der muß jetzt die großen Weichen stellen und darf seine Zeit nicht auf den Energiesparlampen-Spielwiesen vertun, obschon auch die vielen kleinen Schritte wichtig sind. Sich auf den CO2-Minderungszahlen der zerfallenen ostdeutschen Industrielandschaft auszuruhen ist kein ambitioniertes Klimakonzept.
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»Die anstehenden Arbeitsaufgaben im Natur- und Umweltschutz sind gewaltig. Die Politik ist in der Lage, ihnen entgegenzutreten. Aber: Sie tut es nicht!« so Tomas Brückmann, Bundessprecher der GRÜNEN LIGA und Leiter ihrer Bundeskontaktstelle Nachhaltige Regionalentwicklung. »Das Problem der heutigen Natur- und Umweltprobleme besteht darin, daß man sie – im Gegensatz zu den Umweltsünden der DDR – meist nicht auf den ersten Blick wahrnehmen kann«, führt Brückmann weiter aus. Er hat für die Jubiläumsausgabe der GRÜNEN-LIGA Zeitschrift Alligator zahlreiche Beispiele heutiger Natur- und Umweltprobleme zusammengetragen.

Die Politik muß aus Sicht der GRÜNEN LIGA an die großen Themenstellungen ran: umweltverträgliche Mobilität mit starker Förderung des ÖPNV ist ein Muß, statt Individualverkehr und Blechlawinen; 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2050 bei sofortigem Ausstieg aus der Atomenergie und kontinuierlichem Ausstieg aus der Energieerzeugung auf Basis fossiler Energieträger; Stärkung regionaler Kreisläufe und Strukturen und Ausstieg aus dem tagtäglichen Flächenfraß; Vielfalt statt gentechnischer Einfalt – das sind nur einige der Forderungen der GRÜNEN LIGA.
»Die Themen gehen uns auch heute, nach 20 Jahren, einfach nicht aus«, das gemeinschaftliche Fazit des Bundessprecherrats der GRÜNEN LIGA.

Historisches:
Am 18. November 1989 unterschrieben 36 Mitglieder verschiedener Interessengemeinschaften Stadtökologie zwischen Rostock und Karl-Marx-Stadt, Mitglieder einiger Ökologiegruppen an Hochschulen sowie Vertreter kirchlicher Gruppen den Gründungsaufruf für eine »Grüne Liga«. Am 3.2.1990 war es dann soweit, mehrere Hundert Delegierte trafen sich im Klubhaus des VEB Chemische Werke Buna. Um 20:13 Uhr wurde nach einer langen Satzungsdebatte die Gründung des Netzwerkes verkündet. Inzwischen liegen 20 arbeitsreiche Jahre hinter der GRÜNEN LIGA.
Zu den 43 Mitgliedern des Bundesverbandes GRÜNE LIGA e.V. gehören 4 Regionalverbände, in denen mehr als 100 Gruppen und zahlreiche weitere Einzelmitglieder organisiert sind. Zu den Mitgliedsgruppen vor Ort zählen sehr große, wie zum Beispiel die Aktion Tier, verschiedene Ortsgruppen des ADFC, aber auch der Nabu Berlin und der Ökolöwe – Umweltbund Leipzig.