Ökolöwe überprüft Baumfällungen auf den Deichen im Auwald

28. Januar 2011

Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) plant aktuell die Fällung von tausenden teilweise sehr wertvollen Bäumen im Leipziger Auwald. Als Begründung für die umfangreichen Rodungen wurde von der Landesbehörde eine möglicherweise später auftretende Hochwassergefahr genannt. Diese Maßnahmen sollen an unterschiedlichen Deichabschnitten stattfinden, welche oftmals in Landschafts- und Naturschutzgebieten oder auch den Europäischen FFH- und SPA-Gebieten liegen.

Zum einen hat sich der Baumbewuchs auf und an den Deichen über Jahrzehnte entwickelt oder wurde gezielt angepflanzt. Mit den nun beginnenden Rodungen wird hinter den Deichen gleichzeitig mit der Neuanlage von zusätzlichen Verteidigungswegen begonnen, welche in der Vergangenheit nicht bestanden. Dies kann man am Alter der gefällten Bäume erkennen, welches zum Teil bei 50 bis 80 Jahren liegt. Somit handelt es sich planungsrechtlich um keine Unterhaltung mehr, sondern um einen Neubau, der eines offiziellen Genehmigungsverfahrens bedarf.

Enrico Vlach, Umweltpolitscher Sprecher des Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e.V., kritisiert das Vorgehen der LTV stark: „Der Ökolöwe und andere Umweltverbände wurden bisher nicht an den laufenden Planungen in den Schutzgebieten beteiligt – das ist rechtswidrig. Die LTV kann aber nicht die Hochwassersituation von vor wenigen Wochen auf die aktuellen Pläne übertragen. Aktuell hat man ausreichend Zeit, um ordentliche Planverfahren durchzuführen und das fordern wir mit allem Nachdruck!“
Durch die Deichbau-Maßnahmen werden die beiden europaweit geschützten Lebensräume Hartholz- und Weichholzaue besonders stark geschädigt. Nun beabsichtigt die LTV tausende Bäume zu fällen, ohne sich an die Gesetze zu halten. „Um den nicht wieder gut zu machenden Schaden von der Natur abzuwenden, denken wir auch über rechtliche Schritte nach,“ so Vlach. Weiterhin warnt der Ökolöwe vor Fällaktionen auf jenen Deichabschnitten, die ein Eindringen des Wassers in den Auwald verhindern und nach Ansicht der Umweltorganisation „falsch platziert sind“.: „Wir unterstützen jede notwendige und sinnvolle Maßnahme im Hochwasserschutz, auch wenn diese mit Kompromissen im Naturschutz verbunden ist. Wir setzten uns aber dort für den Schutz der Natur sein, wo Maßnahmen gar nicht notwendig oder völlig überzogen sind.“

Im Jahr 2003 stoppte der Ökolöwe bereits einmal im Eilverfahren pauschale Baumfällungen im Leipziger Auwald. Dazu Enrico Vlach: „Unser damaliger Erfolg vor dem Oberverwaltungsgericht führte in den folgenden Jahren dazu, dass uns die Landestalsperrenverwaltung eine Blockadehaltung unterstellte. Doch im Kern ging es um solche Planungen der LTV, die derzeit wieder aus der Schublade geholt werden, obwohl sie längst überholt sind. Wir sind und waren immer gesprächsbereit, wenn es um einen naturverträglichen und intelligenten Hochwasserschutz geht. Leider scheint das bei der LTV nicht anzukommen.“

Der Ökolöwe engagiert sich schon seit vielen Jahren für einen modernen Hochwasserschutz in Leipzig. Er befürwortet angemessene Deichrückverlegungen und ein großflächiges und damit natürlichen Wasserregime im Leipziger Auwald. Der umweltpolitischer Sprecher resümiert: „Wir können nicht auf dem Planungsniveau der 1930er Jahre stehen bleiben. Werden die alten Deiche einfach nur erhöht, trocknet unser Auwald mittelfristig aus!“

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