Dresdner Elberadweg erst in 15 Jahren durchgängig befahrbar?

17. Oktober 2012

Auch nach 20 Jahren ist der Elberadweg in Dresden noch nicht durchgängig befahrbar. Die meisten Lücken des beliebten Radwegs befinden sich in der sächsischen Hautpstadt. Während in Heidenau, Coswig oder Radebeul der Elberadweg schon seit Jahren durchgängig befahrbar ist, müssen die Dresdner Bürger anscheinend Eigeninitiative zeigen: Auf einem Teilstück des Körnerwegs haben Unbekannte vor Kurzem die tiefen Fugen verfüllt. Nun hat die Stadtverwaltung kurzfristig zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Wer erwartet hat, dass nun Termine für die Sanierung der schlimmsten Stellen entlang der Elbe bekanntgegeben wird, sah sich enttäuscht.

Die Stadt wird den Körnerweg auch in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht sanieren. Auch für die anderen Lücken des Radwegs sieht es nicht besser aus. „Sicherheit scheint in dieser Stadt keine hohe Priorität zu haben“ sagt Konrad Krause, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). „Wie ist es sonst zu erklären, dass seit 20 Jahren am Körnerweg nichts passiert. Inzwischen ist der Weg weder zu Fuß noch mit dem Rad sicher zu benutzen. Es ist ein Armutzeugnis für Verwaltung und Politik, wenn die Bürger sich inzwischen selbst um die Instandhaltung öffentlicher Wege kümmern müssen.“ Und auch für die anderen Lücken des beliebtesten Fernradwegs Deutschlands und der wichtigen Route für den täglichen Berufsverkehr gibt es nur Ausreden und Vertröstungen.

Da wird auf einem Teilstück Richtung Pillnitz die fertige Planung über den Haufen geworfen und der Radweg noch einmal neu mit größerer Breite geplant, obwohl diese Breite nicht genehmigungsfähig ist. Und für die Bereiche, für die eine Planung vorliegt gibt es kein Geld. Im aktuellen Haushaltsentwurf für 2013/14 sinkt das Budget für den Radverkehr in ganz Dresden deutlich auf 700.000 bzw. 500.000 Euro.

Der ADFC fordert seit Jahren, dass 5 Euro je Einwohner in den Radverkehr investiert werden. Investitionen, die sich für alle auszahlen: weniger Krankheitskosten, weniger Stau und Lärm sowie saubere Luft. Ganz zu schweigen von der Bedeutung des beliebtesten Flussradwegs für den Fahrradtourismus. Immer mehr Dresdner steigen auf das Fahrrad um. Inzwischen werden 20% der Wege in der Stadt mit dem Rad zurückgelegt. „Wir erwarten von den Stadträten, dass sie den Radverkehr endlich seiner Bedeutung nach fördern. Wenn es am Elberadweg so weiter geht, wird der er in Dresden auch in den nächsten 15 Jahren noch nicht fertig sein“ so der ADFC-Sprecher abschließend.

 


 

Radverkehr auf Albertbrücke gezählt / ADFC: Vorliegende Planung nicht genehmigen!

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat gezählt, wieviele Radfahrer täglich die Albertbrücke queren. Bei der Zählung im September haben zwischen sechs Uhr früh und 22.30 Uhr trotz Regens 9900 Menschen die Brücke mit dem Rad gequert. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Radfahrer um weitere 5% gesteigert. Allein zwischen 7 und 8 Uhr früh überquerten fast 1500 Radfahrer die Brücke.

Seit Jahren nimmt der Radverkehr in Dresden stark zu. Im Jahr 2006 sind noch knapp 6000 Radfahrer täglich über die Brücke gefahren. Der Fahrradclub fordert, dass die Stadt die Planung zur  Sanierung der Albertbrücke dem wachsenden Strom der Radfahrer anpasst. „Wir können jetzt schon sagen, dass die geplanten Radwege zu schmal sind. Die für den vielen Radverkehr nicht ausreichenden Anbindungen an das Straßennetz provozieren illegalen Zweirichtungsverkehr, der zu kritischen Situationen und Unfällen führt.“ sagt Konrad Krause, Pressesprecher des Fahrradclubs.

Der ADFC fordert, dass die Landesdirektion die vorgelegte Planung im nun laufenden Planfeststellungsverfahren nicht genehmigt. Die Brückenplanung muss erst der wachsenden Bedeutung des Radverkehrs anpasst werden.

Jüngst von der Stadt veröffentlichten Verkehrszählungen war zu entnehmen, dass der Autoverkehr auf der Brücke von knapp 40.000 am Tag auf inzwischen unter 30.000 gesunken ist. Daten zum Radverkehr liegen leider nur sehr wenige vor. „Wir würden uns wünschen, dass die Stadt nicht nur den Autoverkehr zählt, sondern auch Radfahrer“ sagt Krause. Dann gäbe es eine solide Grundlage für die Planung des Radverkehrs. „Auf der Albertbrücke haben wir deshalb jetzt selbst eine Zählung gemacht und sind in unseren Erwartungen bestätigt worden: Die Albertbrücke ist Dresdens Radfahrerbrücke und muss in den Planungen entsprechend berücksichtigt werden“, so der ADFC-Sprecher abschließend.

Hintergrund I: Sanierung der Albertbrücke

Für über 20 Mio. Euro will die Stadt in den nächsten Jahren die Albertbrücke sanieren. Die Brücke ist die wichtigste Elbquerung für den Radverkehr und Verbesserungen sind dringend nötig.

Doch während der in Zukunft auf der Brücke abnehmende Autoverkehr zwei Fahrspuren in voller Breite erhält, werden für Fußgänger und Radfahrer nicht einmal die Mindestmaße eingehalten. Schon die Begegnung zweier Kinderwagen führt zu Platzproblemen. Mit dem dichten Radverkehr direkt daneben sind Unfälle vorprogrammiert. Allein der Radweg müsste nach den aktuellen Richtlinien doppelt so breit sein.

Viele Fahrbeziehungen wurden bei der Planung nicht berücksichtigt. Besonders die Anbindung der Brücke an den Elbradweg funktioniert an den wenigsten Stellen reibungslos. So erreichen Radfahrer aus Altstädter Richtung auf legalem Wege nicht die Rampe zum Elbradweg Richtung Loschwitz. Auch ist der Elbradweg auf Altstädter Seite von der Albertbrücke nur über große Umwege zu erreichen. Illegaler und störender Zweirichtungsradverkehr auf der Brücke ist die Folge, wofür die Radwege nicht ausgelegt sind. Die damit verbundenen Probleme wurden von der Verwaltung zwar offen zugegeben, werden aber in der Planung ignoriert.

Hintergrund II: Zunehmender Radverkehr auf der Albertbrücke

Radfahrer pro Tag (Zählungen Stadt bzw. ADFC)
2009: 7684
2010: 8333
2011: 9327
2012: 9879

Kontakt: Konrad Krause, 0172-4957890

Konrad Krause

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Dresden e. V.
Bischofsweg 38
01099 Dresden

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