Ökologischer und wirtschaftlicher Unsinn

29. Januar 2013

Auwald_Leipzig_3Ökolöwe lehnt touristische Vermarktungsideen BUGA oder UNESCO des Naturschutzgebietes Leipziger Auenwald weiterhin strikt ab

Mit dem Motorboot von der Alster an die Elster, dann durch den Auenwald ins Neuseenland – nach Vorstellung von OBM-Kandidat Horst Wawrzynski und der Leipziger CDU-Fraktion kommt jetzt eine neue Vision hinzu: blühende Gewässerufer im Rahmen einer Bundesgartenschau in Leipzig 2025. Und das mitten im Leipziger Auenwald! Die Annahme des Stadtratsantrags der CDU für eine BUGA wäre aus Sicht des Ökolöwen ein ökologisches und ökonomisches Desaster. „Zugunsten eines prestigeträchtigen Großprojekts – ähnlich der Entwicklung und geplanten Schiffbarkeit des Neuseenlandes – sollen weitere Teile des einzigartigen Gewässerökosystems für Leipzigs Profilierung als Tourismusziel geopfert werden“, mahnt Enrico Vlach, Umweltpolitischer Sprecher des Ökolöwen. „Die langfristigen Folgen werden auch hier heruntergespielt: eine weitere Zerschneidung und Zerstörung des Auenökosystems einerseits, unabsehbare Kosten und Folgekosten für Stadt, Land und letztlich den Steuerzahler andererseits. Denn die Finanzierung der BUGA erfolgt größtenteils über Zuschüsse des Landes: Steuergelder.“

„Wer es mit Schutz und ökologischer Aufwertung des bereits mit zahlreichen Schutzkategorien – national LSG und NSG, auf europäischer Ebene SPA und FFH – belegten Auenwalds wirklich ernst meint, muss die Nutzungsintensität reduzieren“, kritisiert Vlach. „Stattdessen wird versucht, im Zuge langfristiger, kostenintensiver Bewerbungen um BUGA oder UNESCO und anderer Großprojekte neue Besucher anzulocken und die Massen dann durch den Auenwald zu schleusen.“ So ist auch der UNESCO-Titel kein geeignetes Instrument zum besseren Schutz! Schon heute gibt es vielfältige Schutzgebiete im Auenwald, doch es hapert massiv am Vollzug des Naturschutzgesetzes in den Gebieten!

Geht es nach den einen, sollen Motorboote in alle Richtungen fahren und den Stadthafen mit neuen touristischen Attraktionen der Region verbinden: vom Neuseenland durch den Floßgraben, den Karl-Heine-Kanal, zum Saale-Elster-Kanal und letztlich nach Hamburg. Die anderen wollen Besucher in Zukunft mit dem grünen Charme des Auenwalds locken und erhoffen sich daraus eine Stärkung der Schutzanstrengungen. Immer ist da dieses irgendwie reizvolle, an vergangene Wildnis erinnernde Stück Wald dazwi-schen, das die Kulisse für die Großphantasien bildet. Was macht es da schon, wenn ein paar neue Brücken und Parkplätze gebaut, Bäume gefällt und das – im schlimmsten Fall asphaltierte – Wegenetz erweitert wird? Wem schadet es schon, wenn die BUGA weitere technische Schutzmaßnahmen treffen muss, damit ihre Beete zur Eröffnung nicht vom natürlichen Frühjahrshochwasser geflutet werden? Wenn die Attraktivität eines Welterbetitels ganze Busladungen zur Burgaue lockt? Entwicklung und Ausbau eines europäischen und nationalen Naturschutzgebietes im Namen des Tourismus sind der falsche Weg, den Auenwald aufzuwerten!

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