Ökolöwe kritisiert Glaubensbekenntnis zur Massentierhaltung aus dem Sächsischen Verbraucherschutzministerium

1. März 2013

oekoloeweIn den sächsischen Massentierhaltungsanlagen konventioneller Bauart wurden in der Vergangenheit immer wieder Unregelmäßigkeiten festgestellt. So kam es im Sommer 2012 zu einem Hühner-Massensterben in Doberschwitz.

Ökolöwenvorstand und Umweltplaner Holger Seidemann beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Massentierhaltung in Sachsen: „Wir gehen davon aus, dass in zahlreichen Anlagen nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Leider lässt sich das sächsische Verbraucherschutzministerium zu keiner konsequenten Überprüfung der Massentierhalter herab. So ging in der jüngsten Vergangenheit eine Kleine Anfrage der Grünen Landtagsfraktion ins Leere, weil das Ministerium ein Stallbuch mit der Tiersterblichkeit in der Anlage Doberschwitz angeblich nicht beschaffen und auswerten konnte.“

Auch kritisch nachfragenden Journalisten war es bisher nicht gelungen, über die Haltungsbedingungen in sächsischen Tierhaltungsanlagen zu berichten.

Bei der Anlagenüberwachung verlässt man sich derzeit auf gelegentliche Besuche eines Tierarztes und die vom jeweiligen Anlagenbetreiber selbst erhobenen Daten und Angaben. Dazu merkt Holger Seidemann vom Ökolöwen an: „Der Fehler liegt im System. Nach unserem Wissen gibt es keine Datenbank oder effektiv arbeitende Aufsichtsbehörde, die die Hühnerbelegung, die tatsächliche Tiergesundheit und die Tiersterblichkeit überprüfen könnte.“

„Die bisherige tierärztliche Überwachung in Massentierhaltungsanlagen läuft regelmäßig ins Leere: Bei zehntausenden Tieren pro Anlage und einem kurzen und seltenen Stalldurchgang ist es praktisch unmöglich, die tatsächliche Tierbelegung und Tiergesundheit zu überprüfen.“

Auch scheint es eine Art Stillhalteabkommen zwischen den Anlagenbetreibern und einigen weniger zart besaiteten Tiermedizinern zu geben. Bei Kontrollen von Kadavertonnen oder auf Filmaufnahmen waren die Hühner sehr häufig in einem jämmerlichen Zustand. Die Meldepflicht der Betreiber ans Veterinäramt setzt aber erst bei Todesraten von über zwei Prozent des Gesamtbestandes täglich ein!

Der Ökolöwe tritt für eine deutliche Verkleinerung der Hühnerhaltungsanlagen, mehr Platz pro Tier und eine elektronisch zählbare Tierregistrierung ein. Die Einstufung „artgerechte Haltung“ ist an niedrige Sterberaten zu koppeln und die verantwortlichen Tierärzte sind stichprobenartig auf Qualität zu prüfen.

„Wer permanent gegen die ‚gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft‘ verstößt, dem ist die Betriebsgenehmigung dauerhaft zu entziehen“, bekräftigt Seidemann.

Prinzipiell favorisiert der Ökolöwe den ökologischen Landbau, denn er steht für Transparenz und tiergerechte Haltungsverfahren.

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Er setzt Natur- und Artenschutzprojekte um und pflegt regionale Streuobstwiesen, von deren Ernten Apfelsaft gekeltert wird. Er betreibt die Umweltbibliothek – mit 20.000 Medien die größte Umweltbibliothek in freier Trägerschaft – und den Bildungs- und Beratungsort Stadtgarten Connewitz. Der Ökolöwe bietet ein Umweltbil-dungsprogramm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Jährlich bringt er über 4.000 jungen Menschen etwas über die Natur oder gesunde Ernährung bei. Etwa 500 Mitglieder, rund 70 Ehrenamtliche und 8 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen engagieren sich beim Ökolöwen für Leipzigs Umwelt und seine BürgerInnen. In acht Projekten und sechs ehrenamtlichen Arbeitsgruppen setzen sie neue Ideen in kreativer Zusammenarbeit um.
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