Vor den Augen der Kamera … ein Dokumentarfilm

18. November 2013

mada_kleinNewsletter FFA

April – September 2013

“Ich war so beeindruckt, wie diese Frauen die alleinige Verantwortung für ihre Familien übernehmen. Normalerweise ist es üblich, dass die Männer das Land bearbeiten. Aber als ich diese Frauen sah, die selbst den Boden umgraben und pflügen, konnte ich nichts als eine große Bewunderung, aber auch einen Stich im Herz empfinden. Nachdem ich sie 15 Tage mit meiner Kamera begleitete und sah, was sie jeden Tag erleben, konnte ich nachempfinden, welche Last diese Frauen auf ihren Schultern tragen. Von der Gesellschaft benachteiligt und abgewertet sowie von Ehemännern betrogen, finden diese Frauen durch das Projekt einen Weg, ihr Leben in die Hand zu nehmen und der Zukunft mit erhobenem Haupt entgegenzusehen.”
(Ludovic, Regisseur)

Im Monat August fand einer der Höhepunkte unserer Projektarbeit statt: ein Dokumentarfilm wurde gedreht, um die Anstrengungen und Erfolge unserer Frauen bald einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Initiator und Realisator ist der madagassische Drehbuchautor, Regisseur und Regieassistent Ludovic Rianando RANDRIAMANANTSOA. Aus Antananarivo stammend, wurde dieser im Jahr 2006 auf dem ersten Kurzfilmfestival Madagaskars durch seinen Kurzfilm PALINDRÔME entdeckt. Seitdem nahm er zunächst an verschiedenen Kinoworkshops in Antananarivo teil und studierte ab 2008 mit Hilfe eines Stipendium an der Hochschule für Bildende Künste in Marrakesch (ESAVM). Dort produzierte er verschiedene Kurzfilme (u.a. Crash, Je me souviens, Le Collier) sowie den Kurzfilm LE GLAS – die Totenglocke -, der für das 6. Kurzfilmfestival in Antananarivo ausgewählt wurde und den goldenen Zebu in der Kategorie Fiktion auf dem Kurzfilmfestival in Winterthur gewann. In all seinen Werken legt Ludovic immer großen Wert darauf, die kulturellen und traditionellen Normen und Werte der madagassischen Gesellschaft bekannt zu machen sowie das Herz der Öffentlichkeit für den Kampf gegen soziale Ungleichheit, Armut und den moralischen, gesellschaftlichen Verfall zu gewinnen.
Als er den madagassischen Verein FFA kennenlernte, entschied er daher sofort, dessen Engagement an der Südostküste der Insel in Form eines kurzen Dokumentarfilm unsterblich zu machen, um so den Kampf der madagassischen Frauen gegen Armut und soziale Benachteiligung auf ganz Madagaskar und über die Grenzen hinaus bekannt zu machen und zu unterstützen.

Einige Eindrücke während der Dreharbeiten…

« Der unbestreitbare Fortschritt und die unerschütterliche Motivation, die die Frauen zeigen, spiegelt ihren Willen wieder, sich zu ändern und im Leben voranzukommen. Doch auch wenn die meisten der Frauen großartige Resultate vorzeigen können, gibt es noch immer Frauen, die nach wie vor lieber den Fisch nehmen, als selbst das Angeln zu lernen. Diese Haltung ist nichts anderes als eine direkte Reaktion auf den täglichen Überlebenskampf in einer ungerechten Gesellschaft , die den Armen keine Chance läßt. Daher ist der gemeinschaftliche Aspekt des Projektes um so wichtiger, da nur so die Frauen voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen (…) Die Dreharbeiten waren für mich ein unvergessliches Erlebnis. Mein Fazit: Die Grundlage für Entwicklung liegt bei den Frauen: den Müttern, Schwestern , Ehefrauen, Geliebten und Töchtern… ihr Engagement ändert das Leben einer Familie, eines Dorfes, einer Region und warum auch nicht die Zukunft eines Landes. »» (Ludovic, le réalisateur)

gemeinschaftsfelder_madagaskar« Mir fehlt nichts mehr. Dank meiner Felder und Aktivitäten, die ich während des Projektes gelernt habe, habe ich jeden Tag zu essen und kann sogar sparen. Ich erwarte nichts Besonderes vom Leben, aber ich danke Gott dafür, dass FFA meinen Weg gekreuzt und die ungewisse Situation, in der ich vorher war, nachhaltig verbessert hat. Jetzt habe ich keine Angst mehr vor der Zukunft.» (Julienne, 25) « Ich fühle mich glücklich: Es fehlt mir nichts und ich helfe auf indirekter Weise bei der Entwicklung unserer Region. Zur Zeit versorgen wir die umliegenden Dörfer mit allem, was ihnen vor der Ankunft von FFA gefehlt hat: Gemüse aller Art, Bastmatten, gedörrte Früchte, Honig usw. Schaut alle her, die uns mit unseren Schaufeln und unseren Harken verspottet haben. Uns haben Sie es jetzt zu verdanken, dass Sie Gemüse essen können und nicht mehr viele Kilometern laufen müssen, um Näherinnen zu finden oder um ein gutes Brot zu essen.» (Georgette, 32)

Die Alphabetisierungskurse…

73% unserer Frauen aus Bebozaka und 59% aus Nosy Varika konnten weder lesen noch schreiben. Die meisten haben nie eine Schule besucht.Andere haben sie abgebrochen, um arbeiten zu können und ihren Eltern zu helfen. Jeder weiß jedoch, dass Entwicklung und Bildung eng zusammenhängen. Deshalb ist es wichtig, den Frauen zu Beginn des Kurses deutlich zu machen, welche Vorteile das Lesen und Schreiben mit sich bringt. Heute sind die Frauen stolz und zufrieden: « Es war großes Glück für mich, denn jetzt kann ich während des Backkurses die Rezepte notieren und aufbewahren. In meinem Alter funktioniert mein Gedächtnis nicht mehr gut genug, um mir die Rezepte zu merken. Jetzt kann ich endlich alles zubereiten, was wir gelernt haben, da ich nur noch nachzulesen brauche! » berichtet eine der 62-jährigen Schülerinnen. Eine andere ergänzt: «Wenn ich heute mit meinem Namen unterschreibe und nicht mit Fingerabdrücken, erfüllt mich das mit großem Stolz. » Im Alter Lesen und Schreiben zu lernen, erfordert große Disziplin und einen eisernen Willen. Einem Kind Lesen und Schreiben beibringen ist einfach, aber für Frauen, die fast ein ganzes Leben ohne ausgekommen sind, bedeutet es eindeutig eine große Herausforderung.

Der Weg in die Unabhängigkeit…

versammlung_madagaskarAm 26. Juni 2013 feierte Madagaskar seine 53 Jahre Unabhängigkeit. Das ganze Land war in Aufruhr und unsere Frauen waren stolz, bei der lokalen Parade mitzulaufen, um ihren Vereine sowie die Früchte ihrer Arbeit zu präsentieren.
Bald müssen auch unsere Frauen beweisen, dass sie bereit sind, die Kinderstube zu verlassen und auf eigenen Beinen zu stehen. In diesem dritten Jahr ist es soweit und FFA beginnt aktuell die Frauen auf das Projektende im April 2014 und die damit beginnende Autonomie der Frauenvereine vorzubereiten. Von Anfang an waren die Frauen in alle Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse integriert, um ihr Bewusstsein zu stärken, dass dieses Projekt das Ihrige ist. FFA hat sie auf diesem Weg begleitet und die Frauen durch regelmäßige Sensibilisierungen und Fortbildungen zu Leadership, Vereinsmanagement, Buchhaltung etc. auf diesen Schritt vorzubereiten. Momentan verdoppeln wir unsere Anstrengungen, um das nachhaltige Ziel des Projekt zu gewährleisten: starke, ausgebildete und unabhängige Frauen.

« Begleitung und Betreuung von Straßeneltern »
Ein zierliches Persönchen

Im Rahmen unserer Projektes zur Unterstützung der Eltern aus Tana konnte FFA eine einzigartige Frau treffen, die sich im Vergleich zu vielen anderen Frauen während der gemeinsamen Aktivitäten besonders bewährt hat. In den folgenden Newsletter wird uns Michelle ihre Geschichte erzählen:
« Als ich 5 war, ließen sich meine Eltern scheiden und sie ließen mich und meine Geschwister allein auf der Straße zurück. Eine Tante, selbst obdachlos, hat uns zu Betteln gelehrt, damit wir etwas zu essen finden. Wir lebten in aufeinander gestapelten Kartons unter den Brücken oder hinter Fassaden, um vor der Kälte und dem Regen in Sicherheit zu sein. Mit etwa 12 Jahren nahm uns ein Straßenkinderprojekt unter ihre Fittiche und versuchte, uns zu erziehen. Ich besuchte vier Jahre lang die Grundschule, aber dann starb meine Tante und niemand konnte sich mehr um mich kümmern. Einige Jahre später war die Ehe die einzige Lösung für mich, um von der Straße wegzukommen. Nach meinem ersten Kind wurde mein Mann aber zum Alkoholiker. Er wurde sehr gewalttätig und konnte nicht mehr arbeiten. Aus Gewohnheit sind wir dann auf die Straße zurückgekehrt. Ich muss auch zugeben, das Betteln uns ermöglichte, etwas Geld zu verdienen, ohne uns viel anzustrengen. Mein Mann hat dann aber alle meine Ersparnisse gestohlen und eines Tages, wo alles düster für mich war, wurde mir klar, dass ich meinen Lebensunterhalt auf eine ehrlichere Weise verdienen muss, um respektiert zu werden und um die Zukunft  meiner Kinder abzusichern. Ich habe dann durch Zufall andere Eltern in derselben Situation kennengelernt und wir haben gemeinsam einen Straßenelternverband in Tana gegründet, um einen Weg von der Straße zu finden. » (…Fortsetzung folgt)

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