Hampel-Eule aus Seiffen soll den Artenschutz beflügeln

2. April 2014

Eulenprojekt 26.2.14Ein Naturschutzverein und der Familienbetrieb Günther üben den Schulterschluss. Ihre Idee wird ab Samstag in Leipzig vorgestellt.

von Steffen Jankowski

Seiffen/Oberschöna. Der Steinbruch Oberschöna ist ein potenzielles Brutgebiet für Uhus – davon ist Tobias Mehnert überzeugt. „Die Felswände hier sind ideal für diese Eulenart“, erklärt der 53-Jährige. Bei dem Ziel, den ehemaligen Quarzit-Tagebau und weitere Flächen für die seltenen Vögel zu schützen, erhalten Mehnert und sein Naturschutzverband Sachsen (Nasa) jetzt Unterstützung aus der Wirtschaft: Die Spielwarenmacher der Firma Günther aus Seiffen haben eine Hampel-Eule kreiert, um das Projekt zu unterstützen.

Die Neuentwicklung werde erstmals auf der Internationalen Fachmesse für Geschenkartikel Cadeaux präsentiert, die am Sonnabend in Leipzig beginnt, erklärt Firmenchef Tino Günther. „Wir sind von unseren Kunden beispielsweise auf dem Weihnachtsmarkt in Zürich immer wieder gefragt worden, ob wir auch Eulen im Sortiment haben. Darauf haben wir reagiert“, berichtet der 51-Jährige.

Günther, der auch für die FDP im Sächsischen Landtag sitzt, will für jede verkaufte Hampel-Eule 50 Cent an den Nasa spenden. Zudem werde jedem Exemplar ein Infoblatt über das Eulenprojekt des Vereins beigelegt. „Wir benötigen für unsere Produkte gesundes Holz – deshalb sind wir dem Naturschutz verpflichtet“, begründet Günther sein Engagement. Die Flügel der Holzeule sind aus einheimischer Buche gefertigt und geben beim Ziehen an dem Strick den Blick auf ein kleines Eulenküken frei.

Der Nasa-Chef freut sich über die Zusammenarbeit. „Unternehmen haben die Natur verändert. Sie können auch viel tun, sie zu erhalten“, erklärt Mehnert. Bei der Eulenkampagne gehe es darum, geeignete Gebiete wie etwa Steinbrüche und Felshänge zu kaufen, damit diese Lebensräume unverändert bleiben.

Nach Angaben der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen aus Bad Münstereifel sind die 13 Eulenarten, die in Europa vorkommen, nicht nur durch den Gesteinsabbau beeinträchtigt. Nicht selten würden die Vögel durch Kletterer bei der Brut gestört, auch komme es zu Tötungen durch Windkraftanlagen und Stromschläge bei Freileitungen.

Der Naturschutzverband Sachsen kann bereits auf Erfolge beim Artenschutz verweisen. So haben sich auf Grundstücken im Freistaat, die der Verein nach der Wende übernommen hat, nachweislich wieder Biber angesiedelt. Dasselbe gelte für den Fischotter im Striegis-, Flöha- und Bobritzschtal, so Mehnert.

Uhu kann eine Flügelspannweite von bis zu 1,80 Metern erreichen

In Sachsen kommen nach Angaben des Naturschutzvereins Sachsen regelmäßig sieben Eulenarten vor; europaweit gebe es 13 Arten. Die größte ist dabei der Uhu, der eine Flügelspannweite von bis zu 1,80 Metern haben kann. Der Sperlingskauz dagegen ist die kleinste europäische Art und nur etwa so groß wie ein Star.

Die Firma Spielwarenmacher Günther aus Seiffen wird in diesem Juli 100 Jahre alt. Laut Firmenchef Tino Günther zählt sie 15 Mitarbeiter und stellt unter anderem Hampelmänner und Barrenturner her.

Der Naturschutzverband Sachsen hat seinen Sitz im Oederaner Stadtteil Gahlenz und zählt laut Vereinschef Tobias Mehnert rund 30 Mitglieder.

Die 44. Cadeaux Leipzig öffnet vom 1. bis 3. März auf dem Messegelände an der A 14. Laut Veranstalter präsentieren rund 340 Aussteller von 9.30 bis 18 Uhr (am Montag nur bis

17 Uhr) Geschenkideen. (jan)

Foto: Eckardt Mildner

Freie Presse Freiberg, 26. Februar 2014

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