PRESSEMITTEILUNG der GRÜNE LIGA Sachsen e.V. und des Naturschutzverband Sachsen e.V. zur aktuellen Wettersituation

30. April 2019

Statt Dürre-Jammerei Wasser in der Landschaft halten

Waldbrandgefahr, ausgetrocknete Böden, Wassermangel – die aktuelle Wettersituation ruft die Klima-Apologeten auf den Plan, die vor den Folgen des Klimawandels warnen. Und führende Vertreter der Land- und Forstwirtschaft stimmen in den von „Dürresommer“, „Missernte“ und „Borkenkäfergefahr“ getragenen Chor ein.

Die GRÜNE LIGA Sachsen e.V. und der Naturschutzverband Sachsen e.V. (NaSa) vermissen bei all den formulierten Sorgen den eigentlich naheliegensten Lösungsansatz – das Wasser so lange wie möglich in der Landschaft zu halten und dessen Abfluss nicht künstlich zu beschleunigen.

Aus Gründen der Nutzungsoptimierung haben Land- und in weiten Teilen auch die Forstwirtschaft durch oberirdische Gräben oder unterirdische Drainagen dafür gesorgt, dass das Wasser so schnell wie möglich aus der Fläche abgeleitet wird. Natürliche Quellgebiete und die Oberläufe der Gewässer wurden so zerstört, Feuchtgebiete verschwanden. Es gibt in Sachsen z.B. kein natürlich belassenes Quellgebiet im Acker. Fichtenmonokulturen wachsen auf von Gräben durchzogenen Hochebenen, die ursprünglich von Feuchtgebüschen bzw. – wäldern bewachsen waren. Und selbst im Grünland wurden die ursprünglichen Quellgebiete fast vollständig drainiert, sprich entwässert.

Das natürliche Wasserrückhaltevermögen des Bodens wird durch Drainagen und Gräben zerstört und es kommt zu einer Erhöhung der Hochwassergefahr bei Starkregenereignissen für die Unterlieger.

Mit dem Ausbringen von Pestiziden und Dünger auf entwässerten Flächen gelangen diese Stoffe über das künstliche Entwässerungssystem auf direktem Wege in die Fließgewässer.

Damit und mit dem Verschwinden der natürlichen Quellgebiete ist ein massiver Verlust der natürlichen Artenvielfalt verbunden. Insektensterben und der Artenschwund bei Vögeln, Amphibien und Fischen hat viel damit zu tun, dass natürliche Landschaftsstrukturen der Nutzungsintensivierung zum Opfer gefallen und das hydrologische Abflussregime der Quellgebiete verändert wurde.

Es ist deshalb an der Zeit, das Lamentieren über Trockenheit und Wassermangel zu beenden und in der Landschaft dafür zu sorgen, dass deren Wasserregime wieder renaturiert wird.

Der Rückbau von Drainagen, die Wiederherstellung der ursprünglichen Quellgebiete, die Verschließung von Entwässerungsgräben im Wald sind die anstehenden Maßnahmen der Zeit. Nach der großflächigen Melioration der letzten 100 Jahre steht nun der Rückbau dieser Anlagen ins Haus. Die Politik ist gefordert, die konjunkturbelebenden Chancen dieses Renaturierungsprogramms u.a. aus Gründen des Hochwasserschutzes, der Erhöhung der Biodiversität, der Wiederherstellung eines flächendeckenden Biotopverbundes und der Waldmehrung in die Tat umzusetzen.