Pressemitteilung

23. September 2021

Fatales Signal gegenüber Naturschutz am Bockwitzer See
Breites Bündnis von Naturschutzverbänden kritisiert Entscheidung des Bornaer Stadtrats zum Flächenverkauf

Der NABU Sachsen, die GRÜNE LIGA Sachsen und der Naturschutzverband Sachsen sehen mit großer Besorgnis die Bemühungen der Stadt Borna, in der Bergbaufolgelandschaft Bockwitz einen Surfpark anlegen zu lassen. Denn mit der Entscheidung des Bornaer Stadtrats vom vergangenen Donnerstag (16. September), eine rund zehn Hektar große Fläche für 1,5 Millionen an die Firma Stoke zu verkaufen, ist die Tür für die Etablierung einer solchen massentouristischen Freizeitstätte am Bockwitzer See ein Stück weit aufgestoßen worden. Anträge während der Sitzung, um einen Bürgerentscheid herbeizuführen, scheiterten ebenso wie ein Antrag, einem Vertreter der Sächsischen Landestiftung Natur und Umwelt (LaNU) ein Rederecht einzuräumen. Dieser freistaatlichen Stiftung gehören im Gebiet 470 Hektar.

„Die Entscheidung der Stadträtinnen und Stadträte stellt ein fatales Signal gegenüber der Natur, dem Naturschutz und einer sanften Erholung im Gebiet dar“, erklärt Bernd Heinitz, Landesvorsitzender des NABU Sachsen. „Es gibt auch heute bereits genügend Seen, wo eine aktive Freizeitnutzung möglich ist, zum Beispiel am nur wenige Kilometer entfernten Störmthaler See.“ Dort sind unter anderem Segel- und Schifffahrtstouren sowie deutschlandweit einmalige Erlebnistouren mit Amphibienfahrzeugen möglich. Ähnliches gilt für den Zwenkauer, Markkleeberger und Cospudener See. „Es muss doch möglich sein, einen einzigen See im Südraum Leipzigs in Ruhe zu lassen und der Natur Vorrang einzuräumen“, postuliert Heinitz.

„Wir erwarten nun vom grün geführten Umweltministerium, dass es zum Schutz von Natur und Landschaft gegen das Vorhaben Stellung bezieht und ministeriell ordnend eingreift“, formuliert Tobias Mehnert, Vorsitzender der GRÜNEN LIGA Sachsen. „Und der Freistaat Sachsen wird aufgefordert, das Europäische Vogelschutzgebiet und Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ‚Bergbaufolgelandschaft Bockwitz‘ auf seinen Flächen in vorbildlicher Weise, so wie es das Gesetz vorschreibt, zu schützen“, führt er weiter aus.

Auf die reiche Artenvielfalt mit über 180 Vogelarten, zwölf Amphibienarten, vier Reptilienarten, 31 Libellenarten, 20 Heuschreckenarten und fast 400 Arten der höheren Pflanzen hat der NABU Sachsen im Vorhinein, zuletzt kurz vor der Abstimmung, wiederholt hingewiesen. Diese ist durch eine Errichtung des Surfparks akut gefährdet – schon allein dadurch, dass über 200.000 Besucher jährlich erwartet werden, die für massive Beunruhigungen und Störungen im Gebiet sorgen werden. „Wir werden deshalb, wie angekündigt, die Unterlagen des Bebauungsplans sehr genau prüfen, auch unter Hinzuziehung eines Rechtsbeistands“, erklärt der NABU-Landesvorsitzende Heinitz.